Ich bin ganz ehrlich, ich verurteile es. Denn m.M.n. verkauft man sich damit bereits. Sicherlich schade, dass es so ist, und wer richtig erfolgreich sein möchte, muss so entscheiden, klar - aber der hat sich dann schon ein Stück weit gegen sich selbst entschieden und das respektiere ich nicht. Das verdient sich bei mir keine Anerkennung, denn es ist ja im Grunde Manipulation.
Versteh mich bitte nicht falsch: Ich kann durchaus nachvollziehen woher deine Aussage kommt, aber ich glaube nicht zu wissen, wo sie hinführt. Wie ist denn dann deine Sicht auf so ziemlich alle gängigen Formen der Arbeitnehmerschaft und Berufe im Allgemeinen, wenn jedes Stück Opportunismus eigentlich verurteilungswürdig ist? Verdient jetzt niemand deine Anerkennung, der es seinem Chef rechtmachen will, der auf Kundenzufriedenheit Wert legt und auch mal Entscheidungen gegen sich im Sinne anderer Kollegen trifft? Wie soll das sonst funktionieren? Wenn man es herunterbricht, sind einige Aspekte auch einfach Grundsätzlichkeiten des gemeinschaftlichen Zusammenlebens. Aber warum sind diese Mechanismen, die jeder von uns auch an ganz anderer Stelle im Alltag annimmt, gerade auf YouTube immer so ein Problem?
Weil andere scheinbar nicht wie der eigenen Vorstellung entsprechend in die Fußstapfen von schlichtem Broadcast-Yourself-Hobby-YouTube treten möchten? Und dann weiter: Woran misst man das in Bezug auf deine Kriterien?
Kein Ahnung ob ich mich generell angesprochen fühlen soll aber ich kann ja eh nur aus meiner bescheidenen Perspektive reden: Ich behandle YouTube wie einen Beruf - Ich betreibe YouTube aber auch wie ich will - ich entscheide mich in den allermeisten Punkten erstmal für mich - aber natürlich muss man sich bewusst sein, dass man, wenn man möglichst viele viele Tausend Leute ansprechen will, es auch mit vielen Tausend Persönlichkeiten zu tun hat, was bedeutet dass man zwischen sich und diesen Menschen irgendwo einen gemeinsamen Nenner finden muss. Sei es halt allgemeines Interesse an bestimmten Themen, eine bestimmte Sprache, Aufbereitung der Inhalte etc. Das liegt einfach in der Natur der Sache.
Ich sehe gute große Leute, die tolle Thumbs haben, die viel und/oder inhaltlich wertvollen Content machen, die Videos ansprechend editieren etc., oder die einfach nur authentisch sind, die haben meinen vollen Respekt. Aber wer mehr oder weniger plakativ die Trends mitmacht - einfach nö.
Du stehst auf einem allgemeinen Platz aber von welcher Position aus redest du?
Wie möchtest du denn bestimmen was für wen wertvoller Content ist oder sein soll? Für dich persönlich ist es sicher leicht abzugrenzen, aber Anderen kann auch der von dir nicht anerkannte Inhalt durchaus oder vielleicht gerade deswegen sehr viel bedeuten (wenn auch auf einer anderen Ebene) - bspw. weil sie schlicht und einfach einen Creator gefunden haben, dem sie sich irgendwie verbunden fühlen, dessen Videos ihnen Ablenkung und bessere Stimmung verschafft, dessen Content man quasi zu einem Teil seines Alltages macht, wenn oder weil man vielleicht auch nicht immer glattgelutschte Kommunikation oder Bildungsansprüche ansprechend findet - um mal Klischeebeispiele rauszukramen. Aber diese Leute bzw. das, was Ihnen etwas bedeutet, haben dann keinen Respekt verdient? Das finde ich schade.
Über Inhalt lässt sich streiten und man muss auch darüber streiten, aber "Wert" kann eine so vielfältige Bedeutung haben, wie Menschen unterschiedliche Facetten. Respekt muss man nicht immer ausschließlich in der euphemistischen Bedeutung des Wortes verstehen. Es reicht ja schon anzuerkennen, dass ein schwarz-weiß-Filter viel seltener passt als man denkt oder anders gesagt: Was man an der Oberfläche sieht, ist meist lange nicht alles.