@Die Kiste
Mit solchen Aussagen, die du hier verbreitest, darfst DU allerdings auch nicht erwarten, als Gesprächsteilnehmer wirklich ernstgenommen zu werden. Du versuchst Vorurteile zu entkräften, pochst im gleichen Atemzug jedoch immer wieder darauf, dass dynamische Mikros die erste Wahl wären.
Es gibt genugend Anwender, und darunter auch Profis, die Kondensatormikros aufgrund ihres Auflösungsreichtums und in der Tendenz auch ausgewogeneren Klangbilds (Ausnahmen gibt es selbstverständlich auf beiden Seiten) bevorzugen. Allein bei Gesang oder Instrumentaufnahmen sind Kondensatoren - insbesondere Kleinmembraner - kaum wegzudenken.
Die festgehaltenen Unterschiede werden oftmals auch mit Ideologie vermittelt. Da gebe ich dir völlig recht.
Es ist aber keines Falls so, dass Kondesatoren und dynamische Mikros technisch und schließlich klangqualitativ nahezu oder gar absolut gleichwertig sind. Andernfalls würde sich die Frage, welche der beiden Varianten für den jeweiligen Einsatzzweck geeignet ist, selbst in den Fachforen und der Literatur der Tontechnik kaum jemand stellen.
Bezüglich der Handhabung dynamischer Mikros sollte man übrigens bedenken, dass sie dem PreAmp aufgrund ihrer deutlich geringeren elektrischen Empfindlichkeit mehr Gain abverlangen. Die akustische Empfindlichkeit, ferner die Gegebenheiten der Physik, ist bei beiden Varianten grundsätzlich identisch. Wie soll eine Membran, ein simples mechanisches Konstrukt, auch zwischen Nutzsignal und der störenden Umgebung unterscheiden können?
Der praktische Unterschied liegt letztendlich darin, dass dynamische Mikros einen geringeren Übertragungsfaktor bereitstellen (was zunächst erst mal ein Nachteil ist und nicht durch jedes Interfaces ausreichend kompensiert werden kann!) und infolge lauter, sprich näher, besprochen werden müssen. Deswegen gehen Nutzer schlichtweg näher an die Kapsel heran, um den Eingangspegel zu erhöhen. Wenn man so möchte also ein schierer Kompensationsakt. Reduziert sich der Abstand zwischen Membran und Mund, reduzieren wir im Verhältnis wiederum den Pegel der Umgebung. Das ist simple Physik und hat auch nichts mit Glaube oder individueller Überzeugung zu tun: sowohl dynamische als auch Kondensator-Mikrofone sind für unterschiedliche Geräusche pinzipiell gleichermaßen empfänglich! Daran kann auch die Verengung des Übertragungsbereiches nicht viel ändern.
Persönlich - und hiermit deklariere ich in der Tat ein subjektives Urteil, das ich jedoch nicht nur nach eigenem Empfinden, sondern auch nach einer langfristigen Beobachtung kund tue - missfällt mir bei dynamischen Mikrofonen oft (nicht immer!) eine nasle, dosige, topfige bis hin zu schroff-reibende Grundcharakteristik. Es sind sicherlich keine Ausmaße, die im Verhältnis zu den doch recht immensen Einflüssen der Raumakustik und schließlich der Technik und Performance des Sprechens / Singens stehen.
Stelle ich mir jedoch die Frage nach einem Mikrofon, so möchte ich zunächst ein mal ein Produkt erhalten, welches dazu in der Lage ist, meine Stimme so neutral, unverfälscht und schließlich detailreich wie möglich einzufangen. Das AT 2035 von Audio Technica wäre ein beliebtes Beispiel, das diesen Anforderungen bei noch überschaubarem Budget entgegenkommt. Was man dann damit macht, ist jedem selbst überlassen. Ich sehe das "Mehr" an Informationen als grundlegenden Vorteil. Wer unbedingt den ultimativen Broadcast-Röhren-Sound braucht, kann sich den Klang per Plugins zurechtbiegen und sich nach der Aktion immernoch dafür entscheiden, doch wieder zur (verhältnismäßig) neutralen Grundabstimmung zurückzukehren. Wenn man das Ganze auf die Spitze treiben möchte, nimmt man gleich einen guten Kleinmembraner. Mit den richtigen Plugins und ein wenig Know-How kann man sich dann so ziemlich jedes Sounding virtuell zusammenstellen.
Letztendlich ist das Mikrofon auch nur ein Werkzeug, das richtig eingesetzt werden möchte.
Viele wege führen nach Rom, nur ist der eine vielleicht länger und holpriger als der andere. Für welchen man sich entscheidet, sollte jeder für sich selbst entscheiden dürfen. Wichtig ist jedoch, dass wir diese Entscheidungen bewusst treffen und uns nicht auf Pauschalisierungen berufen!
@ReplicaLP
Die Hinterseite des Mikrofons mit Schaumstoff auszukleistern halte ich nicht für sonderlich sinnvoll. Wäre das eine wirkungsvolle Methode, um die von hinten einfallenden Raumanteile zu bedämpfen, dann hätte man diese Maßnahme bereits bei der Entwicklung berücksichtigt.
Im Weiteren sind auch Mic-Screens kein Ersatz für gut durchdachte raumakustische Maßnahmen.
Das bischen Schaumstoff vor perforiertem Metall wird aus einer Besenkammer ganz gewiss kein Tonstudio machen. Zumal diese Teile in der Regel auch völlig falsch eingesetzt (und vermarktet) werden:
"Live End - Dead End" - Gedanken zum Reflexion-Filter
Zur Dämpfung würde ich wenn, dann Breitbandabsorber verwenden, die dir nicht nur die Höhen schlucken. Handelsübliche Schaumstoffe (selbst diejenigen mit dem Catchword "Akustik" im Namen) sind Höhen-Killer und im mittleren, insbesondere unteren Spektrum nutzlos!
Die zu erwerbenden Elemente sollten dann an die kritischen Erstreflexionsstellen sowie die Raumecken gehangen werden.
Ohne viel Aufwand zu betreiben, wirst du höchstens mit einer noch effizienteren Nierencharakteristik und oder einem kürzeren Abstand zur Besprechung der Membran glücklich werden.
LG,
Strangelove
PS:
Was mir da noch einfällt; allein die Wahl des Mikrofons ist nicht der wichtigste Faktor. Über die Ergebnisse entscheidet die Summe der Optimierungen, die in der Aufnahmekette und seiner Umgebung vorgenommen werden.
Nur mal so als Beispiele, was man selbst mit den billigsten Mikrofonen unter den richtigen Bedingungen so anstellen kann.
Zur weiteren Lektüre und Beratung empfehle ich die beiden Communitites Recording.de und Musiker-Board.de.
Dort finden sich auch so einige Threads und Stickies mit Empfehlungen bezüglich Ausrüstung und Raumakustik, in denen sich hin und wieder auch die Experten aus der Szene zu Wort melden 