Hallo Sarafina,
ich weiß, das ist wahnsinnig viel Text - bitte erschrick nicht. Ich bin leider ein Mensch vieler Worte und da dies das erste Feedback ist, das ich hier erstelle, möchte ich natürlich meine Gedankengänge und Hintergründe plausibel erklären um ein hoffentlich hilfreiches Feedback zu geben.
Ich möchte an dieser Stell auch noch mal betonen, dass ich selbst noch eine Anfängerin bin. Daher kann ich mit Tipps und Tricks bezüglich Technik und Youtube speziell eher weniger dienen und bin mir sicher, dass erfahrenere Forenmitglieder hier konkreter helfen können, als ich. Daher lege ich bei meinem Feedback den Schwerpunkt auf meinen Eindruck als Zuschauer.
Allerdings habe ich vielfältige Erfahrungen bezüglich des Auftretens vor realem Publikum. Privat während meines Hobbys beim Theater und beruflich nun durch unzählige Vorträge. Dahingehend möchte ich auch ganz im Allgemeinen meine Erfahrungen, Tricks, Tipps und Denkanstöße zum Thema Unterhaltung teilen, über die man sich vielleicht nicht so gezielt Gedanken macht, wenn man damit vorab noch nicht konfrontiert wurde.
Meine persönliche Erfahrung zum Abonnentenwachstum als Anfänger:
Du bist ja auch noch, genau wie ich, noch recht am Anfang mit diesem Hobby. Da ist das Abonnenten-Wachstum eben einfach schleppend. Als Anfänger ist man für Youtube eben einfach zu klein und zu unbedeutend, um gute Chancen zu haben, von neugierigen Zuschauern gefunden zu werden. Da schleppt man sich eben dann mühsam von Abonnenten zu Abonnenten. Die einzige Chance, die man da alsAnfänger hat, ist es gemessen an den eigenen Erfahrungen die bestmöglichsten Videos zu produzieren, um, wenn man dann gefunden wird, zu überzeugen.
Let’s Playen auf Youtube scheint mir definitiv ein langwieriges und ausdauerndes Hobby zu sein.
Videolänge:
Mir ist aufgefallen, dass Deine Videos ganz erheblich in ihrer Länge variieren. Die Länge deiner einzelnen Videos pendeln zwischen 35 Minuten bis hin zu 1 Stunde oder gar länger. Gerade für Neulinge, die Deinen Kanal noch nicht kennen, können durch 1-Stündige Videos abgeschreckt werden, diese überhaupt erst anzusehen, oder klicken im schlimmsten Fall weg.
Mich würde in diesem Zusammenhang interessieren, wie die Watchtime Deiner Videos aussieht. Werden Sie auch bis zum Schluss geschaut oder ab einem Punkt einfach abgeschalten?
Grundsätzlich ist Konstanz ein für mich als Zuschauer nicht unerheblicher Faktor. Wenn die Videos alle gleich lang sind, kann ich das als Zuschauer einplanen. So nach dem Motto: „Oh – eine neue Folge. Da mache ich mir jetzt einen Kaffee für 20 Minuten Entspannung.“
Außerdem fällt es mir als Zuschauer einfacher 20 Minuten meines Alltags abzunabeln und ein Youtube-Video zu schauen, anstatt mir 1 Stunde aus den Rippen schneiden zu müssen. Und im besten Fall bin ich so angefixt, dass ich auf’s nächste Video klicke. Für Neueinsteiger sind kürzere Videos auch reizvoller, weil ich dann als neuer Zuschauer mir ein Video nach dem anderen vornehmen kann in der Playlist und das Gefühl habe schnell aufzuholen.
Kurzweile ist grundsätzlich besser als Langeweile. Lieber kürzer und knackiger unterhalten, als dass während der Länge hindurch die Puste ausgeht.
Unterhaltung:
Auch hier spielt die Länge des Videos eine Rolle. Am Anfang bist Du noch sehr gesprächig und wirst im Laufe des Videos immer wortkarger.
Dasselbe habe ich übrigens auch bei mir anfänglich festgestellt. Ich schaue mir tatsächlich jedes meiner Videos an. Nicht nur, um den Spielsound und die Aufnahme zu kontrollieren, sondern auch um meine Sprache, meinen Redefluss und Varianz in der Betonung und sprachliche Ausdrücke zu analysieren.
Während man spielt, ist man ja gedanklich ständig beschäftigt und das Spielen kommt mir als Spieler selbst sehr kurzweilig vor. Ich habe zum Beispiel am Anfang bei meinem Sims Let’s Play kleine Textschnippsel nur kurz für mich im Kopf überflogen. Das war mir während des Spielens gar nicht aufgefallen. Beim Gegengucken stell ich dann fest: für mehrere Sekunden gähnende Stille.
Solche Dinge fallen beim Spielen nicht auf, aber beim Gegenschauen springen mir solche Momente dann negativ ins Auge.
Ich würde Dir empfehlen, wirklich zu analysieren, ab welcher Stelle du schweigst oder leiser wirst um während der Aufnahme gezielt gegenzusteuern.
Und hab keine Angst vor ein wenig Übertreibung. Wenn man viel mit der Stimme variiert und darin noch nicht geübt ist, kommt dies am Anfang subjektiv schnell ein wenig komisch rüber. Als würde man total übertreiben und viel zu affektiert sprechen. Aber in der Aufnahme hört sich das beim Gegengucken dann ganz anders an als erwartet und viel weniger aufgesetzt als befürchtet.
Ich habe privat und beruflich schon viel vor anderen Leuten sprechen müssen. Sei es nun im Theater oder bei Vorträgen. Und es gibt nichts Schlimmeres, als vor einer Meute zu stehen und zu sehen, wie sich offensichtliche Langeweile in den Gesichtern breit macht. Mit dem Zeitalter des Smartphones ist das gelangweilte Gähnen dann dem leeren Blick aufs Handy-Display gewichen. Auch nicht viel besser und einen direkteren Daumen runter gibt es gar nicht.
Du hast eine sehr schöne Stimmfarbe, wunderbar angenehm warm und nicht zu hoch. Gerade bei Frauenstimmen besteht immer das Problemchen, dass die Stimme zu hoch ist für ein dauerhaftes Zuhören. Das ist bei Dir nicht der Fall. Du hast stimmlich eine sehr gute Grundlage.
Allerdings schleicht es sich gerade bei tieferen und warmen Stimmen gerne mal die Angewohnheit ein, beim Sprechen in derselben Tonlage zu verbleiben. Dem würde ich gezielt entgegenarbeiten. Man kann noch eine so schöne Stimmfarbe habe, bei gleicher Alltagssprechbetonung verliert man die Aufmerksamkeit des Publikums. Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass die Aufmerksamkeitsspanne beim Zuhören auf maximal 15 Minuten begrenzt ist. Wenn man sehr gleichmäßig und eintönig spricht, kann man diese Aufmerksamkeitsspanne noch verkürzen. Umgekehrt kann man die Aufmerksamkeitsspanne bei gezielter Betonung und absichtlich eingesetzter stimmlichen Abwechslung erhöhen.
Auch aus diesem Aspekt heraus bietet es sich an, kürzere Folgen zu machen. Du kannst Dir zum Beispiel 20 oder 30 Minuten Aufnahme vornehmen, konzentriert stimmlich arbeiten und variieren und dann eine Pause einlegen, bevor Du weiter loslegst.
Niemand fällt als Entertainer vom Himmel und man muss viel an der eigenen Präsenz arbeiten. Der Vorteil bei Let’s Plays ist ja (sofern man ohne Cam spielt), dass man nur an seiner stimmlichen Präsenz arbeiten muss und keine körperliche Präsenz und Ausstrahlung demonstrieren muss.
Übrigens: Auch wenn ich schon oft vor anderen Leuten stand und mich gezielt zum Affen gemacht habe, vergesse ich selbst im entscheidenden Moment die Tricks und Kniffe, die ich bislang gelernt hab. Da hilft am Anfang nur wieder: Analysieren, Üben und Probieren. Irgendwann spielt sich das Ganze dann sicherer ein.
Eine kleine Übung, die ich immer wieder gerne mache und sich gerade für all jene eignet, die ein wenig Hemmung haben, aus sich heraus zu kommen (wie ich zum Beispiel) ist tatsächlich, sich vor den Spiegel zu stellen und mal komplett zu übertreiben und extrem überspitzte Bewegungen, Mimiken und Betonungen zu machen. Sich einfach mal so richtig zum Clown machen. So überspitzt, muss man natürlich auf keinen Fall aufnehmen. Aber durch diese Übung sieht man sich in der eigenen Darstellungen und sieht sofort, welchen Effekt, welche Bewegung, Mimik und Betonung haben können und man kann diese dann gezielter dezent umsetzen.
Klingt komisch, ich weiß. Aber einfach mal gepflegt ausrasten, befreit körperlich, stimmlich und geistig.
Zu den Sims:
Eine Möglichkeit Zuschauer für die Sims zu erreichen, sind spezielle Foren zu diesem Spiel. Ich bin jahrelang Mitglied in diversen Sims-Foren und habe dadurch sofort eine Zuschauerschaft bekommen, als ich meine verrückte Idee geteilt habe, nicht mehr nur zu bloggen, sondern zu let's playen. Du kannst dort sogar einen eigenen Thread für Deine Geschichten eröffenen (schau Dir nur vorab, wie bei jedem Forum auch, die Forenregeln an). Die Simsspieler sind meist auch sehr kommunikativ und es macht Freude gemeinsam mit ihnen zu spielen.
Durch die TAB-Taste kannst Du im Spielmodus die Kamera übrigens sehr viel freier bewegen. So kannst Du schöne Schnappschüsse durch diese Kamerafahrt einfangen und zum Beispiel mit dem VLC-Mediaplayer nach der Aufnahme Videoschnappschüsse machen, die Du dann als Grundlage für Deine Thumbnailerstellung hernehmen kannst.
Thumbnails:
Schau Dir gegebenenfalls noch ein paar Tutorials darüber bei Youtube an. Denn ein Thumbnail ist ja nichts anderes wie ein einladendes Cover. Auf dem ersten Blick sollte das Wesentlichste erkennbar sein. Da die Vorschaubilder bei Youtube recht klein angezeigt werden, sollte man grundsätzlich auf zu viele kleine Details verzichten, eine große, klare und möglichst dicke Schrift benutzen. Im Internet findest Du zum Beispiel viele Logos zu Spielen mit transparentem Hintergrund zum einfachen Einfügen oder aber auch Schriftarten z.B. zu den Sims.
Ich hoffe, ich habe Dich durch so viel Text nicht demotiviert.
Wie bereits eingangs erwähnt, wollte ich wirklich konstruktive Tipps vermitteln und habe mich nur auf spezielle Themen, in denen ich mich mittlerweile ein wenig auskenne, beschränkt.
Übrigens: Habe jetzt soeben gesehen, dass auch Northgate schon auf Dich eingegangen ist. Da hab ich als langatmige Labertasche einfach Pech und bin zu spät dran. Aber vielleicht konnte ich doch ein wenig nützlich sein und durch meinen anderen Schwerpunkt andere interessante Denkansätze für Dich bieten. 
Liebste Grüße
Phoenyx