Ich freue mich auf die Poster, die sich noch an diese Zeiten erinnern (ihr alten, über 20-Jährigen ;)) und davon sprechen, dass damals noch andere Dinge im Mittelpunkt standen. Zwar wird man heute immer wieder darauf hingewiesen, aber damals war das nicht einmal nötig: Spaß bei der Sache. Außerdem war schlechte Qualität fast Pflicht bzw. zeugte von Authentizität.
Hui, ein Appell an die Szene-Senioren unter uns, da fühl' ich mich glatt angesprochen. 
Das Thema Qualität betrachte ich in vielen Diskussionen sehr zwiespältig. Die erste Assoziation mit diesem Begriff ist bei vielen die Technik im Sinne von Hardware. Ja, es gehört dazu und ja, es ist nicht unwichtig. Aber es ist nicht der Schlüssel. Die schlechte Qualität, von der du sprichst, bezieht sich denke ich ebenfalls auf die technische Qualität. Und ja, das war am Anfang so. Warum sind die alten Hasen trotzdem erfolgreich geworden? Weil sie einen qualitativ hochwertigen Kommentarstil geboten haben. Das ist zumindest in meinen Augen der richtige Inbegriff von Qualität. Unterhaltung via Instrument Stimme und Erzählinhalt. Wer das beherrscht, der ist das, was man gemeinhin als "gut" bezeichnet. Wer hier nichts bieten kann, den retten auch keine überteuerten Mikrofone, High-End-PCs oder Schneideprogramme. Schon merkwürdig, wie sich die Prioritäten gedreht haben. Früher hat man erst geredet und geübt, dann nach und nach aufgerüstet. Heute wird erst aufgerüstet und danach entstehen Threads à la "Worüber soll ich in meinen LPs sprechen?" oder "Wie kriege ich mehr Abos?". Eine in meinen Augen absolut falsche und kontraproduktive Entwicklung.
Heutzutage werden täglich Threads erstellt mit Fragen, wie man mehr Abonnenten erhält, warum man überhaupt LPn sollte, ob man keine Freunde hat.
Außerdem ist es zum Normalzustand geworden, dass nach Erstellung eines Kanals unweigerlich die Partnerschaft in welcher Form auch immer folgen muss. Natürlich nur für die Thumbnails.
Benutzerdefinierte Thumbnails sind wahre Klickfänger. Ich habe sie bereits bei 2-5 Videos von meinen ca. 750 verwendet und diese erhalten unglaublich viele Aufrufe.
720p ist mittlerweile Standard. Persönlich begrüße ich das, doch muss ich täglich Threads lesen wie "Internet so langsam, Dateien so groß, [lexicon]MeGUI[/lexicon] zu schwer, will aber berühmt und von allen geliebt werden mit möglichst wenig Aufwand."
Da sind einige schöne Beispiele dabei, die recht offenkundig Aufschluss über die Mentalität eines Let's Players geben. Ich schaue mir die Kanäle dieser Leute recht oft an, einfach um zu schauen, ob mein Eindruck sich bestätigt und das ist fast immer der Fall. Der Großteil hat kaum Praxiserfahrung, kaum Abonnenten und noch lange nicht den richtigen Kommentarstil gefunden. Wenn dann von Partnerschaft die Rede ist und die Leute das mit den benutzerdefinierten Thumbnails begründen, dann ist das ein Witz, denn wer sich nur 2 Minuten Zeit nimmt, um sich mit der Materie zu befassen, der findet sehr schnell heraus (nicht nur hier im Forum), dass für dieses Feature keine feste Partnerschaft notwendig ist. Fazit: Eindeutiger Fall von purer Faulheit. Maximale Gewinne mit minimalstem Aufwand, so scheint die Devise vieler zu sein. Das klingt trocken und betriebswirtschaftlich? Ja, ich denke, dass es für viele auch nichts anderes ist. Ein Medium, das als Melkkuh für schnelle Einnahmen seinen Kopf hinhalten muss. Da kann man noch soviel von Spaß und Leidenschaft faseln. Gerade hier im Forum erkennt man recht schnell, wer seine Prioritäten wie verteilt.
An dieser Stelle sei noch kurz angemerkt, dass sich Spaß an diesem Hobby und der Wunsch nach monetärer Vergütung keineswegs ausschließen. Es gibt sicher durchaus Youtuber, die damit Geld verdienen und Spaß dabei haben bzw. das Hobby selbst dann fortsetzen würden, wenn man den Geldhahn zudrehen würde. Aber wir sprechen ja hier von dem "Ich habe 5 Abonnenten, bin seit 2 Wochen dabei und will monetarisieren"-Klientel und da halte ich besagte gesunde Mischung eher für unwahrscheinlich.
Einige wollen mit diesem 'Hobby' ihren Lebensunterhalt oder zumindest etwas Taschengeld dazuverdienen. Die einen verpönen dies, die anderen haben Verständnis aber keine Klicks, der Rest macht es schon fleißig und 'muss dann mal wieder aufnehmen'.
Oft habe ich ebenfalls den Eindruck, dass viele das Aufnehmen als Zwang sehen. Kann natürlich auch zuviel reininterpretiert sein. Aber man liest tatsächlich recht häufig vom Muss. Vielleicht sehe ich das auch zu kleinkariert. Ich denke, dass jeder, den man diesbezüglich auf seine Wortwahl anspricht, diesen "Vorwurf" abstreiten und darauf verweisen würde, dass das "müssen" ja mit Spaß verbunden sei. Nun ja.
Weiterhin waren in diesem bzw. dem anderen Forum anfänglich sehr viele, heute und/oder damals, große und erfolgreiche Let‘s Player angemeldet und haben sich auch beteiligt. Wenn ich mich heute umsehe, sehe ich fast nur 'Neue', oder 'Kleine', die meist ihre kurze, technische Frage stellen und ihren 2-Zeiler in 'Diskussionen über Let's Plays' erstellen und nebenbei auf ihren Kanal aufmerksam machen.
So sieht's aus. Von diesen Usern, die sich nicht am Forumsgeschehen beteiligen, sich aber dennoch anmelden, gibt es maximal 3 Phasen (um das mal ein bisschen theoretisch aufzugreifen, denn so habe ich das in den letzten Monaten aufgefasst): 1. Vorstellung im Vorstellungsbereich. Einige versuchen das auch mehrfach, also stellen sich alle paar Wochen neu vor, was laut Bereichsregeln nicht gestattet ist. 2. Projekte posten im Bereich "Abgeschlossene/Unvollständige Projekte". 3. Threads eröffnen, wenn man nicht weiterkommt, meist bei Problemen technischer Natur. Schade ist, dass diese Leute allesamt eine riesengroße Gemeinsamkeit mit uns allen haben, denn sie teilen dein und mein und sein und ihr Hobby. Dennoch klinken sie sich komplett aus der Community aus, versuchen hier primitiv Werbung zu platzieren und verschwinden dann von der Bildfläche in der Hoffnung, im Alleingang möglichst schnell möglichst viel zu erreichen. Das sind Verhaltensmuster, wo ich nur schwer abkaufen kann, dass es hier ausschließlich um den Spaß geht.
Gestern hat man mich (von einem relativ neuem User) mal wieder darauf aufmerksam gemacht, dass die Userschaft hier scheinbar recht verbittert ist. Dies liegt wahrscheinlich an der Barschheit, die sich scheinbar als Souveränität ethabiert hat, mit der oft auf Fragen und Diskussionen reagiert wird. Andererseits sind diese Fragen auch oft schnell durch die Forensuche selbst zu beantworten und die Diskussionensthreads wurden eben mal in 10 Sekunden erstellt, weil sich jemand dachte: "Oh, worüber soll ich eigentlich in meinen Videos reden?". Die Alteingesessenen können dies mitunter nicht mehr sehen; da sich das aber nicht bessert, gehen sie zum Teil nach einer Weile auch auf Nimmerwiedersehen.
Oh ja, Verbitterung lese ich hier auch ständig heraus. Kann mich noch gut daran erinnern als ich mich damals hier angemeldet habe. Anfangs ist man ja noch recht euphorisch und ein bisschen aufgeregt, weil alles noch so neu und fremd ist. Wenn man Foren zu anderen Bereichen aufsucht, die an irgendwelche Hobbies geknüpft sind (Musik, Bücher, Fernsehen etc.), da ist der Ton ein gänzlich anderer. Obwohl Let's Plays für mich genauso ein Hobby ist wie zum Beispiel Bücher, wenn auch etwas komplexer, erlebe ich in allen anderen Foren ein viel ruhigeres und freundlicheres Gesprächsklima. "Warum auch Köpfe einschlagen?", denke ich mir jedes Mal, "Wir sind ja alle hier, weil wir eines gemeinsam haben und uns darüber austauschen möchten." Ich bin mir ziemlich sicher (auch wenn es unter euch so manchen geben wird, der mir widersprechen wird), dass wir hier ein genauso lockeres und spaßiges Klima hätten, wenn man mit Let's Plays kein Geld machen könnte. Und auch wenn ich solche Sprüche für abgedroschen halte und Geld in meinen Augen nicht so unwichtig ist im Leben, wie viele das ganz gerne behaupten, so behaupte ich dennoch, dass Geld die Szene verdirbt und die Anhänger in zwei Lager spalten, wodurch es hier immer wieder zu Reibereien kommt. Die Idealisten auf der einen Seite ("Ich brauche keine Partnerschaft und will nie etwas monetarisieren, ich mache das nur aus Spaß.") und auf der anderen Seite die sogenannten "Fame-Huren" ("Wie kriege ich schnell Abos?", "Welches Projekt kommt am besten an?", "Wie kann ich mich schnellstmöglich partnern lassen?", "Besucht mich, ich bin spaßig und hab' Qualität!!!11"). Und dann gibt es natürlich noch die, die beides vereinen und solche, die dem einen Lager angehören, aber versuchen, sich als Anhänger des "gegnerischen" Lagers zu verkaufen. Mentalitätskonflikte, die wir ohne Geld nicht hätten. In anderen Bereichen, wo man sich ebenfalls produktiv und kreativ betätigt, gibt es solche Probleme nicht. Das weiß ich aus diversen Metal-Communities, wo viele auch eigene Bands haben und im Gleichgesinnten keine Konkurrenz sehen, sondern man eher geneigt ist, sich zu helfen. Gleiches gilt für den Bereich des kreativen Schreibens. Auch hier gibt es Unterstützung an jeder Ecke. Klar, der eine oder andere wird sein Konkurrenzdenken auch in diesen Ecken nicht ablegen können, aber diese Leute bleiben die Minderheit. Und die gewagteste These ever kommt jetzt: Die Leute in den anderen Bereichen sind erwachsene Menschen, viele auch über 30 und 40. Bodenständig und ihr Hobby wirklich nur als Hobby betrachtend. Eine Denkweise, die ich hier im Forum manchmal vermisse. Gibt aber auch viele positive Gegenbeispiele, ich will das keineswegs überdramatisieren.
Wenn es hier etwas Dramatisches zu bemängeln gibt (um wieder auf deinen zitierten Beitrag zurückzukommen), dann ist das die teils grenzenlose Faulheit vieler User, von der Suchfunktion Gebrauch zu machen und einen kurzen Blick in die Bereichsregeln zu werfen. DAS ist der einzig wahre Skandal. 
Wo wird das hinführen? Wir schrieben mal in dem Thread "Wie wird die Szene in Zukunft aussehen". Die einen vermuten, dass sich die Anzahl der LPer stark reduzieren wird und nur die 'Guten' übrig bleiben - klingt fast wie Wunschdenken. Andere schätzen eher, dass wir immer weiter wachsen und die Quantität noch den letzten Nicht-Kenner anlockt. Doch je mehr man von etwas hat, desto weniger ist das Einzelne besonders.
Seid ihr zufrieden mit der bisherigen Entwicklung? Glaubt ihr, ihr tragt zur Verbesserung der Situation bei? Ist euch die Szene überhaupt ein Anliegen oder bestreitet ihr sogar ihre Existenz?
Die für mich schwierigste Frage von allen. Ich weiß es nicht und selbst Mutmaßungen fallen mir schwer. Folgendes vermute ich, so rein bauchgefühlsmäßig: Wenn die Let's Play-Szene es in den nächsten Jahren schafft, sich in der deutschen Medienlandschaft stärker zu behaupten und somit auch einen weitaus größeren Menschenradius zu erreichen, dann wird es einen rasanten Anstieg geben, sowohl bei den Produzenten als auch bei den Konsumenten. Schafft es das Medium nicht und bewegt sich weiterhin fernab von Massentauglichkeit (auch wenn Leute wie Gronkh oder Coldmirror diese bereits erreicht haben, das sind für mich aber keine klassischen Let's Player), wird die Szene eher schrumpfen, zumindest hinsichtlich der Produzenten. Ich weiß ja nicht, wie lange jemand gewillt ist, sich an dem Thema die Zähne auszubeißen, aber irgendwann müsste doch nahezu jeder erkennen, dass man eben nicht von heute auf morgen zu Ruhm und Reichtum gelangen kann. Und dass das selbst nach 10 Jahren im "Business" nicht gewährleistet ist. Die Szene wäre insgesamt wesentlich besser bedient, wenn man das einfach mal ein bisschen lockerer und unverkrampfter angehen würde.
Warum klickst du nichtmal einen Projektthread an, ganz gleich, ob du das Spiel kennst, und schaust mal rein, hinterlässt einen 2-Zeiler, der vielleicht nur "Kannte ich gar nicht, sieht aber interessant aus. Du könntest allerdings etwas weniger rauschen." enthält? (Fragen stehen bewusst in Zukunft->Vergangenheit-Gegenwart Reihenfolge)
Das mache ich sogar sehr gerne, wenn die Zeit dafür da ist, auch wenn das dann meist mehr als 2 Zeilen sind (ich tu' mich echt schwer im Kurzfassen).
Viele bedanken sich auch direkt per PN. Der Markt ist einfach übersättigt, die Masse an Videos steigt an, viele gute Let's Player gehen unter, der Frust wächst, weil keine Zuschauer an Land gezogen werden, das Konkurrenzdenken nimmt zu. Wenn es eine Sache gibt, die mich an diesem Hobby nervt, dann ist es die mangelnde Kameradschaftlichkeit gekoppelt mit zuviel Verkrampfung und einer Ermangelung am Blick für das Wesentliche: Das Videospiel.
Zum Schluss noch eine Aussage: Der Spaß soll im Vordergrund stehen, sollte aber mit dem nötigen Ernst betrieben werden. Oder? Oder gilt das nur, wenn man viele Aufrufe will?
Problem ist, dass mir der Begriff "Spaß" in diesem ganzen Let's Play-Kontext -gerade hier im Forum- zu schwammig ist. Auch Geld verdienen macht Spaß, auch das Hinarbeiten auf Fame kann Spaß machen. Das Wort hat sich hier so dermaßen abgenutzt, dass es mir überhaupt nichts mehr sagt. Für mich soll die Liebe zum Videospiel im Vordergrund stehen, auch wenn das etwas pseudo-pathetisch formuliert ist. Wenn das die Übersetzung für "Spaß" ist, dann trifft deine Aussage für mich genau ins Schwarze.