Schade, dass die Vereine da nicht eher hinter ihren Leuten stehen. Ich vermisse ehrlich gesagt die Interviews, in denen man legendäre Sprüche zu hören kriegt, von denen man noch Jahre später erzählen kann. Stattdessen hast du jedes Mal diese aalglatten Interviews, in denen ja nix schlechtes gesagt wird. Sieht man ja jedes Mal, wenn eine Fehlentscheidung (oder mehrere) Spiele entscheiden.
Du darfst NULL sagen, das über "etwas unglücklich gepfiffen, aber jeder macht Fehler" raus geht, um mal das Beispiel "Schirileistungen" zu nehmen. Wehe du wagst es, den Schiri zu kritisieren oder evtl. sogar anzudeuten, dass häufiger gegen dich gepfiffen wird. Denn genau dann springen diverse Kandidaten aus der Presche und loben was das Zeug hält. Ganz nebenbei wird dann derjenige, der mal den Mund aufmacht, von einem Großteil der Fans + aktiven Leuten aus der Fußballszene wie die Sau durchs Dorf gejagt.
Überall fordern die Fans, Fußballspieler, Manager und wer nicht alles wieder diese sogenannten "Typen", die ja scheinbar fast schon aussterben. Aber was passiert denn, wenn mal einer den Mund aufmacht, nen schnippischen Spruch in Richtung Konkurrenz bringt oder nach nem verlorenen Spiel einfach nur seine Enttäuschung ausdrückt (egal ob berechtigt oder im Moment vielleicht überzogen).
Mal ehrlich. Man kann doch verstehen, dass man enttäuscht ist, wenn man grade ein Spiel unglücklich verliert oder aus nem Wettbewerb ausscheidet und da auch mal seine Emotionen raus lässt. Darauf warten diese sensationsgeilen A*schlöcher aus unserer heutigen Medienlandschaft doch. Und dann stellen sich wieder unsere Besserwisser hin, führen ein aalglattes Interview in dem SIE zeigen, wie brav sie doch sind und wie barbarisch es ist, wenn man mal seine Meinung sagt.
Da brauch ich mich nicht wundern, wenn ich z.B. solche Pfeifen und Pappenheimer wie bei Sky90 rum sitzen habe, welche sich gegenseitig den Allerwertesten pudern, während sie einen Spieler öffentlich fertig machen, der nach nem verlorenen Spiel vielleicht nicht allzu fröhlich auf ne Fehlentscheidung des Schirigespanns oder rumschwalbende Gegenspieler reagiert. Da wird bei Spielern mehr Wert drauf gelegt, dass sie im nächsten Werbespott cool ihre Chips verkaufen oder cooooole Werbung für Sportschuhe machen.
Unsere Medienlandschaft ist einfach nur absolut unterste Schublade. Man versucht in Interviews die Profis zu provozieren, ist beleidigt wenn man nur ein "normales" Gespräch bekommt. Aber wehe ein Spieler/Trainer/Manager beißt an! Dann diskutiert die Truppe vom Doppelpass am Sonntagmorgen bei zick Bierchen wieder, wie unzivilisiert sich doch Spieler X oder Trainer Y verhalten haben.
Ist doch auch z.B. mit den Bayern und dem Tripple die letzten 3 Jahre immer das selbe Spiel gewesen. Das Beispiel nehm ich, weil ich in letzter Zeit immer wieder und wieder über die Diskussion stolpere.
Da schwafeln und schreiben diverse Zeitungen, "Experten" und Portale den Bayern den Tripple-Traum an, machen große Prognosen und weiß Gott nicht was. Nach jedem Spiel wird sofort die Frage nach dem Tripple gestellt, worauf die Spieler nur noch genervt abwinken. Und wehe es passiert, wie vorgestern, dass sie unglücklich scheitern. Dann sind Schlagzeilen wie "Bayerns Tripple-Traum geplatzt" oder "Ausgegebenes Ziel nicht erreicht - Bayern ausgeschieden" doch nur ne Frage der Zeit. Und leider fallen so viele einfach nur darauf herein.
Und das ist bei JEDEM Verein so. Was ist mit Schalke und Breitenreiter? Seit Saisonbeginn wird da nur Unruhe rein gebracht, nach jeder Niederlage stehen die Reporter schon sabbernd da um ihre "Wie lange sind sie noch Trainer?"-Fragen zu stellen. Und die Jungs sollen da alle schön ruhig bleiben, weil sie sonst die Gelackmeierten sind. Gleiches Schauspiel bei JEDEM Abstiegskandidaten. Nach jedem Spiel wird die Trainerfrage gestellt, in Interviews wird in 10 Varianten versucht eine Antwort vom Manager rauszukitzeln und einen Rauswurf zu provozieren.
Ich wünsche mir wieder Zeiten, in denen ein Spieler nach nem Spiel auch mal wütend in die Mikrofone berserkert, wenn ein Spiel verloren geht (vielleicht auch wegen Fehlentscheidungen) und dabei bocksauer in die Kabine stürmt. In denen ein Trainer (ich erinnere z.B., auch wenn ich ihn nicht mag, an Herrn Werner Lorant) dem Reporter einfach mal sagt, was für einen Bullshit er gerade von sich gibt und ihn einfach "im Regen stehen lässt". Die Situationen, in denen Derbys und hitzige Spiele ihrem Namen gerecht werden können, sich Spieler auf dem Platz mal anbrüllen dürfen ohne dass der Schiri in Kindergarten-Manier anspringt und sie sich brav umarmen müssen. Wo sich z.B. Hamburger & Bremer oder Dortmunder & Schalker nicht vor jedem Derby imaginär auf die Schultern klopfen & brav ihren Text aufsagen, wie geil beim anderen Verein doch gearbeitet wird.
Wie vermisse ich Pressekonferenzen, wo ein Giovanni Trapattoni seine legendäre Wutrede abgeliefert hat.. und nicht jeder Trainer jede Woche den Gegner in den Himmel lobt & seine einstudierten Sätze runter betet.
Muss ja nicht jeder so sehen. Viele werden sagen, dass die Spieler auf dem Platz ihre Arbeit erledigen sollen & Trainer ihren Job zu machen haben -und nicht nebenbei wie ein Berserker durch die Gegend randalieren. Aber ich hab, seit ich vor 15 Jahren angefangen hab Fußball zu schauen und wahrzunehmen, eben einiges erlebt, das mir heute abgeht. Und das finde ich persönlich (und das ist eben meine Meinung) sehr schade.