Hach ja... es passiert so oft, dass es für mich schon ein ziemliches Ärgernis ist...
Man spielt ein richtig tolles Spiel mit tollen Persönlichkeiten. Man fühlt sich so richtig gefangen in der Welt und der Story... und dann redet der übernommene Protagonist kein einziges Wort! Er bleibt blass wie ein Blatt Papier. Hat absolut null Persönlichkeit. Und jeder in dieser Welt findet das kein bisschen komisch.
Nun, die Idee dahinter ist ganz offensichtlich, dass der Spieler den Platz des Protagonisten einnehmen soll. Dass man selber in diese Rolle schlüpft und seine Geschichte schreibt.
Nur leider gelingt das vielen Spielen leider nicht wirklich.
Ich nehme da mal Chrono Trigger. Dieses Spiel ist absolut wunderbar und großartig. Leider fällt Held Crono aber in die Scharte des stummen Protagonisten. Nun hab ich aber ein Problem, mich mit Crono zu identifizieren oder seinen Platz einzunehmen. Crono fühlt sich zu sehr wie ein eigener Charakter an. Er hat eine Heimatstadt, eine Kindheitsfreundin, eine Mutter, die über seine angeblichen Macken Bescheid weiß und lernt im Spielverlauf einige coole Katanatechniken. Die Geschiche von Chrono Trigger fühlte sich nie an wie meine Geschichte, sondern wie die von Crono und seinen Freunden.
Ganz genauso ist es in Earthbound. Dort bleibt Hauptcharakter Ness ebenso stumm, seine Freunde reden aber. Auch hier fühlte es sich mehr wie die Reise von Ness und seinen Freunden an und nicht wie meine Reise. Tatsächlich muss ich zugeben, dass der Spieler in Earthbound eine außenstehende Entität ist. Deswegen ist es für mich unbegreiflich, dass Ness ein stummer Protagonist ist.
Es gibt aber auch Beispiele, die das richtig gut machen. Pokémon zum Beispiel. Pokémon macht es von Anfang an ziemlich klar, dass es deine Reise ist. Der Trainer ist nur dazu da, damit du jemanden zum Steuern hast. Der Fokus liegt auf den Pokémon. Du fängst sie, du schickst sie in den Kampf, du gibst ihnen Befehle und streichelst und fütterst sie in den neueren Editionen. Da man inzwischen den Trainer auch noch relativ frei gestalten kann, fühlt es sich mehr und mehr an wie dein Pokémon-Abenteuer. Da gibt es absolut Sinn, dass der Trainer nicht redet. Außerdem beginnen die Abenteuer gerne mit einem Umzug oder ähnliche. So dass es für den Trainer eine absolut neue Erfahrung ist, die sich auch auf dich niederschlägt.
Ein anderes sehr positives Beispiel ist Undertale. Dort übernimmt man auch ziemlich klar die Rolle des Protagonisten. Ein unsichtbarer Erzähler beschreibt außerdem in der 2nd POV sämtliche Aktionen, die man im Spiel ausführt. Da bekommt man schnell das Gefühl, man erlebt sein ganz eigenes persönliches Abenteuer. Der Charaktersprite ist auch absichtlich androgyn gehalten, so dass Geschlecht u.ä. vollkommene Auslegungssache sind.
Es gäbe jetzt sicher noch ein Dutzend Beispiele, die mir aber nicht alle einfallen.
Ich werde leider meistens vom stummen Protagonisten abgeschreckt, da er oft in Spielewelten auftaucht, wo dem Protagonisten etwas Persönlichkeit gut getan hat. Ich verstehe aber auch die Entscheidung, ihn so zu lassen, wie er ist, wie in den o.g. Beispielen.
Wie steht ihr zum stummen Protagonisten? Wünscht ihr euch, dass dieser eine eigene Persönlichkeit haben sollte oder habt ihr kein Problem damit, euch in sämtliche Protagonisten hineinzuversetzen? Würde mich über ein paar Meinungen freuen.