Ich stelle fest: Ich habe quasi den ganzen Tag nichts anderes gemacht als SAO durchzuprügeln. Und.... nunjaaaaaaa... ich weiß noch nicht so ganz, was ich davon jetzt halten soll. Ich verstehe zwar den Hype nicht, aber es war keineswegs schlecht. Achtung Spoiler!
Die Qualitäten der Serie liegen jedenfalls nicht unbedingt beim Storytelling oder bei den Charakteren und schon gar nicht in der Story selbst. Ich meine, was haben wir denn?
- Kirito, der oft genug mit seinem pseudophilosophischen Geschwafel daher kommt und von Folge 1 an eigentlich nichts anderes ist als ein unbelehrbarer Lone Wolf, der auf magische Art die Herzen jedes weiblichen Wesens... "gewinnt", das nicht bei drei auf den Bäumen ist, und das ändert sich bis zum Ende auch nicht. Den Kerl kann ich einfach nicht ernst nehmen und das einzige, worüber man wirklich nachdenken kann, ist die nicht gerade versteckte Botschaft (immerhin brüllt er sie einem ständig ins Gesicht), dass man sich im Spiel wohl nicht viel anders verhält als im RL.
- Asuna. Anfangs ziemlich badass - ich hab es jedes Mal gefeiert, wenn Kirito eine verpasst gekriegt hat, sie hatte so ein bisschen was von Toph aus Avatar. Ja was passiert? Romanze und das Mädchen wird von der einzig interessanten Person in der ganzen Serie zu einer Heulsuse und Kiritos Objekt der Begierde degradiert. Erst nimmt sie sich ja noch einen Boss nach dem nächsten vor, drei Folgen später wird sie für den Rest der Serie in nen Käfig gesperrt. Meine Hoffnung auf inhaltliche Stärke schwand spätestens hier vollständig.
- Yui taucht auf und die beiden von oben heißen von nun an nur noch Mama und Papa. ... ... ich... eh.. also... ... WAT?
- Dann gibbet ja noch die kleine Schwester, die keine Schwester ist... aber egal ob Pseudoschwester oder nicht, ohne Romanze geht in dieser Serie gar nichts.
- Und hier und da noch ein paar Bösewichte, damit man Kirito schön zum Helden stilisieren kann.
Also viel zu viele schlecht gemachte Romanzen. Ja, einfach schlecht gemacht, die erreichen nicht einmal das nicht vorhandene Niveau von denen aus Fate/Stay Night. Grob gesagt geht das so:
Sie: "Hach ich liebe ihn ja sooooo sehr und möchte immer mit ihm zusammen sein"
Er: "*H..H.. Hey, du hast mich berührt"
Sie: "WAS ZUM HENKER ich hab gar nichts getan, wie KOMMST du nur auf die Idee, dass ich so etwas schlimmes, ja derartig sündenhaftes jemals auch nur tun KÖNNTE?"
Er: "Anyway, was gibts zu essen?"
Und das alle zwei Folgen mit einem anderen Mädchen. Gott im Himmel, wie das auf Dauer nervt. Es nervt tierisch. Ich meine, ich musste mir jetzt drei Serien ansehen, die durch solchen Kinderkram fast schon zerstört wurden:
- Fate/Stay Night mit diesem unglaublich blöden Shirou Emiya, der wahrscheinlich nicht einmal die biologischen Unterschiede zwischen Mann und Frau kennt
- Maoyuu Maou Yuusha (anders gesagt: Wir nehmen ein interessantes Szenario und behandeln das ungefähr so: Fanservice, alberne Romanze, Geschichte in einem Mordstempo vorlesen, alberne Romanze, Fanservice)
- Und jetzt eben Sword Art Online. Liebe Leute da drüben in Japan, das könnt ihr in Zukunft auch ein bisschen.... normaler behandeln. Realistischer. Und vielleicht auch mal weglassen, wenn es nichts zur Story beiträgt. Ihr könnt es doch besser.
Naja gut. Romantik beiseite, nehmen wir mal die Story. Und nein, da ist auch nicht viel. Für die ersten paar Folgen hat sich jemand ein Setting überlegt, in dem man episodisch irgendwelche Mini-Stories unterbringen kann, die aber viel zu schnell und mit viel zu großen Zeitsprüngen zwischendurch abarbeitet. Bis zur Mitte setzt man dann plötzlich auf einen halbwegs kontinuierlichen Handlungsverlauf, der noch auf den ersten Folgen basiert und tatsächlich mal so etwas wie Spannung aufbaut. An dieser Stelle ist die Serie auch mal wirklich gut. Aber es kam wie es kommen musste - in der zweiten Hälfte wirft man alles über den Haufen und fängt von vorn an. Fühlt sich schon irgendjemand an Crysis 1 und 2 erinnert?
Dabei sind die Side Stories ja nicht einmal verkehrt. Im Grunde wie eine Nebenquest in einem Spiel: Man erfährt etwas über die Welt, in der das ganze spielt. Und die ist meiner Meinung nach sehr gelungen. Besonders die aus dem namensgebenden Sword Art Online, und auch wenn ich MMOs nicht viel abgewinnen kann, ich finde die Art und Weise wie der Anime da herangeht, durchaus interessant - besonders, weil zunächst einmal auf weitere Referenzen zur realen Welt und damit auf eine heutzutage fast schon obligatorische High School-Story einfach mal komplett verzichtet wird. Das ganze spielt erst einmal vollständig im Spiel. Was... für.. ein... Wortwitz.
Erst einmal. Und da sind wir auch schon beim nächsten Problem: Die eine Welt ist schon riesig und bietet theoretisch eine Menge Raum für Entdeckungen und v.a. Story. Gut, dass es mit letzterer nicht sonderlich weit her ist, darüber hab ich mich ja schon aufgeregt. Aber wenn man den Zuschauer gerade mit den Regeln und Gesetzen des Spiels vertraut gemacht hat, warum macht man es sich dann so oft so einfach, irgendwelche neuen ÜberMoves zu erfinden, die man noch nie vorher gesehen hat, für die es einfach keine logische Erklärung gibt, um danach zu sagen "Ach ja, das ging übrigens gerade, weil."? Sollte zum Voranbringen der Hauptstory eigentlich nicht nötig sein.
Verschenktes Potential. Trotzdem, ich mag ja so ein nicht-reales Szenario immer wieder gerne und so hat mich auch die hier quasi in sich aufgesogen, und ich mag auch die Liebe zum Detail, die dahinter steckt. Ich meine, allein schon, dass die Leute per Handbewegung richtige User Interfaces vors Gesicht bekommen - super umgesetzt. Oder wie schmiedet man ein Schwert? Richtig, man hämmert einfach ein paar mal wild auf ein heißes Stück Metall und bekommt dann die stärkste Klinge der ganzen Welt. So richtig schön spieletypisch.
Und ich habe auch immer wieder gedacht: Hach ja, eigentlich ist es doch ganz schön da.
Und naja, nach der Hälfte geht das gleiche Spiel dann von vorne los. Nein, nicht das gleiche Spiel. Ein anderes, in einer anderen, aber ähnlichen Welt. Nur, dass man sich da gar nicht erst die Mühe macht, irgendetwas zu erklären - "Yo hier gehts um Magie und nicht um Schwertkampf" - was findet größtenteils statt? Richtig, Schwertkampf - und begibt sich mit der Sinnhaftigkeit dann entgültig auf das Niveau der Kampagne von Battlefield 4.
Deswegen will ich dazu jetzt nicht viele Worte verlieren - es sei nur gesagt, dass es hier um "Rette Asuna" geht und da die Storywriter dann bei Folge 20 auch irgendwann begriffen haben, dass "dann befreie sie doch einfach" nicht unbedingt der beste Abschluss für eine ganze Hälfte ist, ploppt wie aus dem Nichts ein Bösewicht auf, der noch eindimensionaler ist als jede gerade Linie und man saugt sich irgendeinen Blödsinn über Hirnforschung und -Manipulation aus den Fingern, damit er auch so richtig böse ist. Ach ja, später tauchen noch merkwürdige Viecher auf, die einzig und allein dazu dienen, dem Zuschauer nen halben Tentakel-Porno mit Asuna zu präsentieren.
Das hat das Mädchen wirklich nicht verdient.
Überhaupt scheint mir die ganze zweite Hälfte das Ergebnis des gescheiterten Versuchs zu sein, einfach viel zu viel auf einmal in 25 Episoden zu packen.
Ich muss allerdings zugeben: Irgendwie funktioniert das trotzdem und im Endeffekt fand ich den zweiten Teil nicht einmal so extrem viel schlechter als den ersten. Aber die Distanz war doch deutlich größer und eigentlich versucht der Anime da nur noch, Probleme zu lösen, die er ohne diesen blödsinnigen und v.a. viel zu plötzlichen Bruch in der Mitte nicht gehabt hätte. Da wäre mir ein klassischer, geradliniger, wenn auch vorhersehbarer Verlauf in einer Welt deutlich lieber gewesen.
Nein, inhaltlich glänzt die Serie überhaupt nicht und bei der Story könnte ich jetzt ohne große Gewissensbisse 0 Punkte drunter schreiben. Aber neben dem ansprechenden Setting gibt es noch drei Dinge, die das Ding am Leben halten:
- Es ist einfach großartig animiert. Auch die Szenen, die ganz offensichtlich per Computer gerendert wurden, sind bis auf 2-3 Stellen wirklich so gelungen, dass sich selbst Fate/Zero da hinten anstellen kann - nur die Character Designs dürften ruhig besser sein. Bei den Kerlen gibts ja immerhin noch ein paar verschiedene Gesichter, die Frauen sehen aber fast alle völlig gleich aus.
- Dazu gibt es einen wahnsinnig guten Soundtrack. Ebenfalls Grüße an Fate/Zero, denn bei beiden Serien war die gleiche Person für die musikalische Untermalung zuständig. Der Trick ist zwar durchschaubar - beim Druck auf den imaginären "Epicness jetzt!"-Button werden einfach epische Chöre zu wirklich allem eingespielt - aber hey, es funktioniert und das Ergebnis ist gut.
- Und - natürlich - die actionreichen Sequenzen, wo die Technik wirklich so richtig zur Geltung kommt, oder anders gesagt: DIe Kämpfe. Macht richtig Spaß, da zuzusehen. Abermals mit Grüße und allen guten Wünschen an Fate/Zero, das fand ich da schon genial.
Also Fazit: Eigentlich ist es genau das, was man den Crytek-Spielen immer vorwirft, in Anime-Form: Grandiose Technik, aber nicht viel dahinter. Man kann durchaus seinen Spaß daran haben. Aber man sollte nicht zu viel darüber nachdenken und einfach das genießen, was man sieht und hört. Gut, dass das bei mir einigermaßen geklappt hat, sonst hätte ich wohl schon nach der dritten Folge abgeschaltet.