niemand ist gezwungen, auf optische Klischees aufzuspringen, sondern kann selbst entscheiden, ob und wie weit ihm/ihr eher die Inhalte wichtig sind.
Das hat nichts mit wichtig zu tun, sondern einfach damit, dass in meinen Augen der Feminismus so wie die Leute ihn sich vorstellen damit eher mit Füßen getreten wird. Sich darüber beschweren das Frauen weniger Rechte haben und als reine Sexobjekte angesehen werden, und dann (halb)nackt durch die Gegend rennen - finde den Fehler. Aufmerksamkeit kann man auch anders bekommen, dafür braucht man keine (nackten) Brüste.
Es ist eben wie in jeder Menschenmenge voller Unbekannter - es gibt darunter nette, tolle Leute und mit etwas Glück ist das die Mehrheit. Aber es sind eben auch Ärsche darunter, die durch ihr Verhalten irgendwann auffallen. Egal, welches Geschlecht. Männer für sexistisches Verhalten anzuprangern heißt ja nicht, dass man mieses Verhalten von Frauen duldet oder kleinredet - es war hier schlicht nicht das Thema; es ging um Frauen im Internet, und sorry, 95% aller bescheuerten Verhaltensweisen, die ich mir gegenüber bislang erlebt habe, kamen von Kerlen und fielen in die Richtung Anmache, Belästigung und ungewollte D*Pics oder ähnliches.
Ich denke der Anteil der vernünftigen Leute liegt bei deutlich, deutlich über der Hälfte. Das Bild was du ansprichst wird extrem vom Internet verzerrt, weil die überwiegende Altersgruppe die sich dort aufhält bzw. sich aktiv auf Plattformen austauscht wohl unter 30 ist.
Draußen wird das nicht so krass sein, mitunter sicherlich auch schlimm, aber nicht so krass wie es online ist. Wenn sich Frau sexy anzieht und das auch entsprechend ausstrahlen kann, dann guckt Mann halt gerne. Klar, die einen können gucken, die anderen glotzen leider und merken es nicht, aber das macht Frau auch. Sicherlich kann man darüber streiten ob es dann schon in Richtung Belästigung oder blöde Anmache geht wenn mal ein Kerl "Hey hallöchen" oder sowas sagt, oder der Bauarbeiter von seinem Gerüst runterpfeift - es kommt so ein bisschen darauf an finde ich. Wenn jetzt jemand guckt, begeistert ist und irgendwas sagt was nicht irgendwie direkt in die Richtung Sex geht, finde ich das zwar als Mann oft peinlich aber es ist aus meiner Sicht noch keine Anmache wie sie hier oft beschrieben wurde. Und wenn der Bauarbeiter pfeift, sorry, aber dann kann man das nicht so wirklich ernst nehmen. Die reiten ganz bewusst auf diesem Image rum, aber die die ich kennen gelernt habe sind alles korrekte Typen die sich da dann einfach einen Spaß raus machen aber die Frau damit nicht bloßstellen oder beleidigen wollen. Ausnahmen gibts natürlich überall.
Das reine Ansprechen oder Aufmerksamkeit schenken - wie auch immer man das nennen mag - ist auch nichts wirklich schlimmes finde ich. Es kommt immer darauf an wie man es macht. Wenn ich mal angesprochen werde fühle ich mich eher geschmeichelt wenn es einfach im Rahmen eines normalen Flirtversuchs ist. Das ist mir letzte Woche erst passiert, als eine Verkäuferin mit mir aktiv das Gespräch gesucht hat, und mich offensichtlich sympathisch fand und ein bisschen mehr rausfinden wollte. Es tat mir dann fast leid für sie, als kurz danach meine Freundin um die Ecke kam, weil sie sich dann glaube ich am liebsten vergraben wollte für den Moment. Wenn sowas umgekehrt von einem Mann zu einer Frau passiert, finde ich auch das in Ordnung. Irgendwie muss man jemanden ja mal ansprechen oder sonstwas. Aber das funktioniert in der Regel nur offline. Online bist du auf extrem wenig Reize fixiert: Wie sieht er/sie aus, wie ist seine/ihre Stimme? Mehr ist da nicht, dazu kommt auf den ersten Blick eine Anonymität, also vergessen viele da ihre Manieren und verhalten sich halt wie Arschlöcher. Das soll jetzt keine Bilder oder Belästigung entschuldigen, sondern eher erklären. Unerfahrene junge Leute, vermeintliche Anonymität, eine Frau die sie interessant finden und schon setzt irgendwas aus.
Wer sich im Griff hat, bzw. Manieren hat, der kann sich benehmen, wer nicht der benimmt sich daneben. Was wir alle haben, und was nun mal einfach biologisch so ist, ist der Trieb uns mit einer Frau die wir schon ganz unterbewusst als passend deklarieren fortzupflanzen. Da werden niedere Instinkte angesprochen, dagegen kann sich niemand wehren. Es kommt halt darauf an, ob man vor allem durch sein Umfeld gelernt hat, wie man respektvoll mit Leuten umgeht, ganz egal ob man ihnen nun gerade gegenüber steht oder nicht. Und die Generation ab 2000 wird damit vermutlich viel größere Probleme haben als alle vorherigen. So viel Sex den es an jeder Ecke gibt, die können sich dem gar nicht entziehen. Für die wird es dann normal das eine Frau ein Lustobjekt wird, da hat unsere komplette Gesellschaft versagt. Warum muss zum Beispiel hier im Nachbarort an einer Bushaltestelle die überwiegend von Grundschulkindern genutzt wird regelmäßig Werbung für das Label von Sylvie Meis gezeigt werden? Egal wo die hingehen oder was sie anschauen, überall werden Frauen genutzt um irgendwas zu vermarkten oder sexy anzupreisen. Wenn ich so an meine Kindheit zurückdenke, sowas gabs in der Masse einfach nicht. Für uns wars früher schon fast anrüchig uns den Otto-Katalog heimlich zu schnappen und die Unterwäscheseiten aufzuschlagen, wenn man Glück hatte konnte man mal einen Nippel erkennen. Wenn man ganz mutig war, hat man gewartet bis alle schliefen und Nachts um 12 den Fernseher angemacht und auf Vox reingeguckt, bei dieser Lilo oder wie auch immer er bzw. sie hieß. Da gabs mal komplett nackte Frauen. Und heute? Reicht vor die Haustür zu gehen, und wenn man dann in den Supermarkt geht, begrüßt einen erstmal ein großer Pappaufsteller der zugehörigen Metzgerei wo eine Frau mit tiefem Ausschnitt Werbung macht. Sexualität ist überall und so leicht zugänglich wie nie. Und wenn dann im Elternhaus vergessen wird, den Kindern mal zu erklären das es nicht so funktioniert wie einem Werbung, Spiel, Film und Internet weiß machen wollen, dann nehmen die Jugendlichen das so auf und denken "Aha, die wollen das ja so, also muss ich mich nur irgendwie cool und lässig vorstellen und dann bekomme ich ihre Aufmerksamkeit". Das klappt dann in der Regel natürlich nicht, weil die Realität eine ganz andere ist, und dann werden die halt unzufrieden und die Spirale geht weiter. Dazu kommt, dass das allgemeine Verhalten gerade unter den Jugendlichen extrem toxic geworden ist. Hier auf dem Land finde ich es sogar noch im Rahmen, aber als wir letztens bei Freunden zu Gast waren, waren drei Jungs am Playsi zocken, einen kannte ich nicht, aber der wird wohl auch wie die beiden anderen im Alter von 13/14 gewesen sein. Die kommen keine zwei Sätze weit ohne irgendwo groß Beleidigungen einzubauen, vermutlich wissen die selber gar nicht wie verletzend solche Sachen die sie so salopp sagen manchmal sind, scheint einfach eine Art Kultur geworden zu sein. Geht ja auch online nicht mehr ohne Beleidigungen, YouTube Kommentare sind manchmal ein wahrer Fundus an neuen Schimpfwörtern. Was mich nur extrem gestört hat war, dass die Eltern von zwei von den Jungs einfach nie eingeschritten sind und gesagt haben "Gehts noch? Könnt ihr euch mal wie normale Leute unterhalten?", durch dieses schweigende Akzeptieren unterstützt man so ein Verhalten ja noch.
Will sagen: An der Situation wie wir sie seit vielen Jahren haben, ist in meinen Augen zu einem überwiegendem Teil die Gesellschaft schuld. Das fängt schon früh an, alle wollen/müssen arbeiten, also werden die Kinder so früh wie möglich in Kindergärten und Co. gegeben, am besten bis spät Nachmittags. Man lagert die komplette Erziehung aus, aber in den Kindergärten und Schulen kann sich niemand darum kümmern die Kinder wirklich zu erziehen (ist in meinen Augen auch nicht deren Aufgabe), und bis die Eltern dann das Fehlverhalten so richtig merken ist es entweder schon zu spät, oder man nimmt das einfach als gegeben hin. Ich halte diese Entwicklung für brandgefährlich, sie ist aber auch zum Teil unserer Politik geschuldet. Im Grunde bist du heute ein armes Schwein, wenn du Kinder in die Welt setzt. Es gibt von allem zu wenig, das fängt bei der Hebamme an, es fehlen Kindergartenplätze (unser Dorf hat rund 14k Einwohner, Anfang nächsten Jahres macht hier der 10.! Kindergarten auf und es sind trotzdem noch zu wenig Plätze da), wir haben deutlich zu wenig Lehrer (das habe selbst ich, Jahrgang 85 schon mitbekommen, wir hatten schon extrem viele Stundenausfälle), Ärzte sammeln sich nur noch in Ballungszentren und so weiter. Dazu kommt, dass man mit den Löhnen die die meisten haben arbeiten gehen muss, damit man als Doppelverdiener-Familie einigermaßen durch den Monat kommt und Miete sowie die anderen Kosten zahlen kann. Alles explodiert, nur die Löhne packt niemand an. Wir kommen so Gesellschaftlich nicht weiter, wir trennen sie regelrecht. Das soll jetzt nicht heißen das jeder pauschal 200 Euro mehr verdienen soll, oder die gut/hoch qualifizierten nicht mehr so viel, sondern einfach das unser ganzes System mal ein Update benötigt.
Das Problem fängt also nicht da an, dass Typen Frauen belästigen und ungewollt Fotos schicken, aus meiner Sicht fängt das Problem schon viel viel früher an. Letztens ging ja wieder durch die Medien das ein Mädel von 10 oder 12 Personen (wenn ich nicht irre) vergewaltigt wurde. Bei so vielen Leuten nicht einer dabei mit Verstand im Hirn? Überhaupt erstmal auf die Idee zu kommen sowas zu machen - da läuft vieles falsch, und das nicht erst seit ein paar Monaten. Meine Freundin hat mittlerweile Angst, Abends aus dem Zug am Bahnhof zu steigen im Winter. Als ich so 10, 11 oder 12 war hatte man Angst davor, dass jemand kommt und klaut dir die Geldbörse, weshalb meine Eltern immer gesagt haben pack sie nicht hinten in die Hosentasche. Heute musst du Angst haben das irgendein Gestörter kommt und dich vergewaltigt. Ich gehe Abends über die Straße und wenn mir eine Gruppe Jugendlicher/Männer entgegen kommt, denke ich, werde ich mit denen zur Not fertig, oder wo ist gerade der beste Fluchtweg. So habe ich früher nie gedacht, so ganz wohl war einem da auch nie, aber man hatte nie die Befürchtung die wollen einem gleich was. Vielleicht ist das ja doch schon immer so gewesen, und ich nehme das erst mit höherem Alter immer mehr wahr, aber in meinen Augen ist unsere Gesellschaft dabei sich abzuschaffen. In der Stadt deutlich schneller als auf dem Land, gefühlt. Das es da online wie in einem Schweinestall zugeht, wundert daher eigentlich kaum.
EDIT:
Nicht das die letzten Absätze jetzt falsch verstanden werden, sie sollen keine Entschuldigung für derartiges Verhalten gegenüber Frauen sein. Sie sollen nur meine Meinung zum Ausdruck bringen, dass die Gründe für ein solches Verhalten weit tiefer liegen (können).