Beiträge von Stinktier

    Ganz ehrlich? Ich finde, hier wird dem finanziellen Aspekt viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt.


    Ich hab mich vor ein paar Jahren als Let’s Player versucht, war damals auch hier im LPF unterwegs (weshalb ich immer noch ab und zu hier vorbeischaue) und habe damals natürlich immer brav betont, dass mein Kanal natüüürlich nur ein Hobby ist. ^^


    Insgeheim dachte ich anders. Ich habe Videos produziert, weil ich Geld verdienen wollte. Damals hatte ich meinen Job gekündigt und keine Lust, in meinem gelernten Beruf weiterzuarbeiten. So richtig ne Idee, was ich stattdessen machen könnte, hatte ich aber auch noch nicht. Also wuchs der Wunsch, Let’s Player zu werden. Also schwupps Kanal erstellt, mir hier ein paar Tipps geholt, ich hab sogar einen befreundeten Grafikdesigner darum gebeten, mir professionelle Thumbnails zu erstellen.


    Tja.


    Nach knapp sieben Monaten hatte ich keine 50 Abonnenten und eingesehen, dass es wirklich nichts bringt. Da half es dann auch nicht, mir einzureden, ich würde alles ja nur als Hobby machen. Für mich war es kein Hobby, sondern ein Geschäftsmodell und ich war einfach zu unerfahren und naiv, um von vornherein zu erkennen, wie mies dieses Geschäftsmodell tatsächlich ist.


    Nun kann man natürlich denken, dass ich da ein Einzelfall bin. Aber irgendwie glaube ich das nicht so recht. Schaut euch doch mal hier im Forum um. Da wird gebetsmühlenartig das Bild des Hobby-Let’s Players propagiert, aber wenn man einen kleineren Youtuber dann direkt fragt, ob er seine Videos monetarisieren würde, kommt sofort eine Antwort á la “Ja, ich hätte natürlich nichts dagegen, ein bisschen Geld damit zu verdienen”.


    Meiner Beobachtung und Erfahrung nach ist der Wunsch, mit Let’s Plays Geld zu verdienen bei sehr vielen sehr fest verankert ist. Und das Forum tut sich gewiss keinen Gefallen damit, nicht offen und vorurteilsfrei mit diesem Thema umzugehen.


    Weil sie eingesehen haben, dass sie scheiße sind.


    Das kam bei mir auch noch dazu, auch wenn es lange gedauert hat, bis ich mir das eingestehen konnte.


    Ich bin halt kein geborener (oder gelernter) Entertainer. Natürlich fand ich mich damals, als ich mit dem Let’s Playen angefangen habe, großartig und genial und unterhaltsam usw. usf. Jetzt, mit ein bisschen Abstand kann ich sagen: Ich bin/war ein beschissener Let’s Player. Ich bin halt ne kleine Schlaftablette und es gibt keinen Grund, wieso jemand seine Zeit mit dem Anschauen meiner Videos verschwenden sollte. Heck, ich hab mir meine eigenen Videos ja nichtmal selbst angeguckt. :D


    Meiner Ansicht nach scheitern die meisten an dem Moment, an dem aus "ohhh YouTube macht Spaß/Videos basteln macht Laune" zum ersten Mal richtig Arbeit wird. Man hat Stress im RL, weniger Zeit, das letsplayte Spiel macht vielleicht gerade nicht so viel Spaß oder man steckt in einer Durststrecke, man muss viel nebenher bearbeiten und merkt erstmalig bewusster, wie viel Zeit man in ein paar Videos reinsteckt - und bäm, ein Letsplayer weniger.

    @Nerd-Gedanken
    Da sagste was! Stress im RL und dann der Druck bloss trotzdem zu veröffentlichen oder gar aufzunehmen kann schon arg sein. Ich habe ja dieses kleine Depriproblem und wenn da mal wieder die dunklen Tage angesagt sind, ist es schon schwer dabei zu bleiben. Deshalb gab es auch schonmal kurzzeitige Ausfälle. Oder wenn die problematische Beziehung mal wieder bröckelt und die Freundin eine Nervattacke startet, möchte man auch am liebsten gar nichts machen. Ja, da kann man schon ans Aufgeben denken.


    Das ist im Übrigen etwas, das ich so überhaupt nicht verstehen kann. Auf der einen Seite verlangen alle, dass man Let’s Plays als Hobby macht. Auf der anderen Seite wird Druck aufgebaut, weil der Let’s Player sich gefälligst an seinen Uploadplan zu halten hat und für seine drei Abonnenten täglich neuen Content liefern muss. Projekte abzubrechen ist auch ganz böse. Wenn man sowas macht, dann nur mit einem triftigen Grund, der lang und breit in einem Infovideo erklärt werden soll.


    Neue Let’s Player sollen also ackern wie ein Großer, aber wehe sie hegen dabei Ambitionen, auch wirklich groß zu werden oder gar Geld damit zu verdienen. Und ihr wundert euch, dass Neulingen da die Lust vergeht? :D


    Was mir bei diesem Part deines Posts direkt in den Kopf kam ist die scheinbare Tatsache (?), dass eben gerade die geschillteren, nicht aufgedrehten LPer es besonders schwer haben (und da zähle ich mich selbst mal dazu), während man sagen muss, dass die erfolgreichen LP wohl auch so ein Verhältnis von 1:2 haben bezügl. gechillt vs. aufgedreht u laut. Ich habe schon gedankliche Mutmaßungen darüber angestellt, wie das Ganze zustandekommt.
    Zum Einen könnte es daran liegen, dass (aber das habe ich nicht überprüft) evtl. mehr sehr junge Menschen Youtube-LPs gucken im Verhältnis zu Erwachsenen. Und die sind selbst (viell. auch hormonell bedingt xD) eher aufgedreht und langweilen sich schnell, habe noch keine Geduld gelernt, weil zu wenig Lebensjahre u.s.w und stehen halt mehr auf laut, schrill, schnell, viel Infos und Action in wenig Zeit. Und auf der anderen Seite stehen die erwachsenen Zuschauer bis Rentner, die es ruhiger mögen, aber vielleicht nicht so vertraut mit den Suchmöglichkeiten auf YT sind, oder einfach nicht so viele sind, sodass dieses Publikum eben immer geringer ausfällt auf das jeweilige Video.


    Heilige Scheiße, dass sich dieser Irrglaube immer noch hält. Nein, aufgedrehte Let’s Player sind nicht erfolgreicher, weil “Kiddies” den Markt bestimmten. Sie sind erfolgreicher, weil sie beim Zuschauer Emotionen wecken. Dabei ist es egal, ob diese Emotionen positiv oder negativ sind. Beides führt nämlich dazu, dass der Zuschauer sich eine Meinung über den Let’s Player bildet, die über "langweiliger Typ, nichts besonderes" hinausgeht. Auf die Masse gerechnet polarisieren aufgedrehte Youtuber, wodurch sie öfter ins Gespräch kommen und länger im Gedächtnis bleiben.


    Weil sie sich nicht bemühen. Weil sie sich wahrscheinlich auch nicht mit der Materie beschäftigen.


    Das ist doch aber auch schon wieder idealistischer Bullshit. Natürlich bemühen sich neue Let’s Player. Oder sind das Kaufen von besserem Equipment und aktuellen Spielen, das Basteln von Thumbnails, das Anlegen und Füttern von Social Media Accounts und in vielen Fällen auch das Schneiden und Editieren der Videos etwa keine nennenswerten Bemühungen?


    Gerade Neulinge bemühen sich, weil sie noch enthusiastisch sind und Hoffnungen haben. Das Problem ist eher, dass Erfolg und Bemühungen nicht immer in einem passenden Verhältnis zueinander stehen. Viele Neulinge stecken ihre Zeit in die oben genannten Dinge, statt sich ein individuelles und vor allem markantes Konzept zu überlegen, eine Nische zu finden und den Markt bzw. dessen Bedürfnisse zu analysieren. Die wenigsten von ihnen erkennen, dass konzeptloses Zocken und Labern heutzutage nicht mehr ausreichen.


    Ich hätte damals auch geschnittene Videos (oder gleich Streams) zu Hypegames und mit Tittencam machen können. Wäre nicht viel mehr technischer Aufwand gewesen, als “klassische” Let’s Plays zu machen. Aber ich hatte nunmal den naiven Glauben daran, dass ich als gechillter Let’s Player ohne Cuts und ohne Cam erfolgreich werden würde, wenn ich nur auf Aktivität und hübsche Thumbnails achte.


    Und evtl. auch, weil viele das Thema "Let's Plays" mit einem Leistungsdruck in Verbindung setzen. Aber das darf es nicht sein - es muss platt gesagt Spaß machen und darf nicht in Arbeit ausarten.


    Dir fällt aber schon auf, dass du dir damit selbst widersprichst? Auf der einen Seite bemühen sich Neulinge nicht genug, auf der anderen Seite soll das Let's Playen aber nicht in Arbeit ausarten?


    Aber aufgeben ist kacke. Fand ich schon immer... ;) Vor allem dürfen Let's Plays nicht zum Zwang werden, es soll das Reallife ergänzen und "aufhellen" - nicht dieses ersetzen.


    Hö? Also, auf der einen Seite ist Aufgeben kacke, auf der anderen Seite darf man sich aber nicht zum Weitermachen zwingen. Ja, was denn nun? Wenn ich keine Lust mehr habe, dann kann ich nur entweder aufgeben oder mich zum Weitermachen zwingen. Eine andere Möglichkeit habe ich de facto nicht.


    Davon abgesehen: Zu lange an etwas festzuhalten (und damit Frust und verschwendete Zeit/Energie zu riskieren) ist noch wesentlich beschissener als aufzugeben.